Landkreisversammlung 2026: Landkreise fordern mit Berliner Appell entschlossenen Kurswechsel
Die Landkreisversammlung des Deutschen Landkreistags brachte am 8. und 9. Juni 2026 rund 400 Landrätinnen und Landräte, Kreistagsmitglieder, Bundestagsabgeordnete und weitere Gäste aus Politik, Wirtschaft und von Verbänden und Organisationen in Berlin zusammen. Neben Fachforen zu ländlichen Räumen, Zivilschutz, Digitalisierung und Gesundheit sprachen mehrere Bundesminister sowie Kanzleramtsminister Thorsten Frei, der am zweiten Tag die Hauptrede hielt. Im Mittelpunkt der Versammlung stand der „Berliner Appell der 294 Landkreise“, mit dem die kommunale Ebene einen entschlossenen Kurswechsel des Bundes fordert. Unter dem Leitmotiv „Heimat gestalten. Zukunft sichern.“ verlangen die Landkreise eine sofortige Stabilisierung der Kommunalfinanzen, eine Reform des Sozialstaats sowie einen wirksamen Abbau unnötiger Bürokratie. Kernforderung ist eine Anhebung des kommunalen Umsatzsteueranteils um zehn Prozentpunkte, was die kommunale Ebene kurzfristig um rund 30 Milliarden Euro entlasten würde. Zugleich pochen die Landkreise auf die konsequente Anwendung des Grundsatzes „Wer bestellt, bezahlt“, damit neue Aufgaben oder höhere Standards des Bundes vollständig und dauerhaft finanziert werden.
DLT-Präsident Dr. Achim Brötel warnte eindringlich vor einem Vertrauensverlust in staatliche Strukturen. Wenn Kommunen immer neue Aufgaben erhielten, aber bei der Finanzierung allein gelassen würden, werde aus einem Finanzproblem zwangsläufig ein Vertrauensproblem. Die Menschen erlebten schließlich vor Ort, ob der Staat funktioniere. Auch DLT-Hauptgeschäftsführer Dr. Kay Ruge betonte, dass die Landkreise den Sozialstaat täglich tragen – von Jobcentern über Jugendhilfe bis zur Pflege und zum Rettungsdienst. Um diese Leistungen zu sichern, brauche es mehr Zielgenauigkeit, Wirksamkeit und finanzielle Tragfähigkeit. Besonders stark steigende Ausgaben in Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe sowie Pflege verdrängten inzwischen notwendige Zukunftsinvestitionen in Bildung, Infrastruktur und Daseinsvorsorge. Leistungen, die eigentlich in die Verantwortung der Pflegeversicherung oder der Länder fielen, dürften nicht länger über kommunale Systeme finanziert werden. „Was Schule ist, muss von den Ländern organisiert und bezahlt werden. Was Pflege ist, muss die Pflegeversicherung tragen“, heißt es im Appell.
Auch beim Bürokratieabbau erwarten die Landkreise spürbare Fortschritte. Zu viel Zeit, Geld und Personal gingen in komplizierte Zuständigkeitsklärungen, überzogene Dokumentationspflichten und langwierige Genehmigungs- und Erstattungsverfahren. Brötel betonte, Bürokratieabbau sei keine Randfrage, sondern Voraussetzung für einen leistungsfähigen Staat. Notwendig seien einfachere Verfahren in der Sozialverwaltung, durchgängig digitale Genehmigungen und mehr Vertrauen in die kommunale Praxis. Die Landkreise erklärten sich bereit, Verantwortung zu übernehmen, und boten Bund und Ländern eine Reformpartnerschaft an – für stabile Finanzen, ein zukunftsfähiges soziales Netz und einen Staat, der sich von unnötiger Bürokratie befreit. Wer Heimat gestalten und Zukunft sichern wolle, dürfe die Kommunen nicht länger überfordern.
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