Zentrale Gedenkveranstaltung in Hessen für die Opfer des Nationalsozialismus im Landratsamt in Marburg

Aus dem HLT

Wichtiger Tag des Erinnerns an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte

 

Marburg-Biedenkopf – Zur gemeinsamen Gedenkveranstaltung des Hessischen Landtages, der Hessischen Landesregierung, der drei kommunalen hessischen Spitzenverbände und des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen kamen Ministerpräsident Volker Bouffier, Landtagspräsident Norbert Kartmann sowie hochrangige Vertreter aus der Politik, der Gerichtsbarkeit, von Opferverbänden, religiösen Gemeinschaften, Vereinigungen und diverser Institutionen aus ganz Hessen in das Landratsamt nach Marburg, um gemeinsam der Opfer der Verfolgung des Nationalsozialismus zu gedenken.

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier erklärte: „Mit Entsetzen blicken wir heute auf die dunkelste Epoche unserer Geschichte zurück. Wir Deutsche gedenken der Kinder, Frauen und Männer, die den Gewalttaten des Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Wir erinnern an einen unfassbaren Zivilisationsbruch, bei dem das jüdische Leben und die jüdische Kultur in Deutschland ausgelöscht wurden. Sinti und Roma, politisch Andersdenkende, Zwangsarbeiter, Homosexuelle und Kriegsgefangene litten unter dem gleichen Wahn und wurden erbarmungslos ermordet. Millionen Menschen wurden Opfer eines Verbrechens, das für junge Menschen, die in einem vereinten Europa aufgewachsen sind, nur schwer zu erfassen ist. Ihren und den Blick aller anderen in unserem Land dafür zu schärfen, woran Rassismus und
Totalitarismus bereits in den Ansätzen zu erkennen ist, wird immer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe aller Deutschen bleiben.“

Für die kommunalen Spitzenverbände hatte der Präsident des Hessischen Landkreistages, Landrat Robert Fischbach, in seiner Begrüßung darauf hingewiesen, dass wir heute wie selbstverständlich davon ausgehen, frei gewählte Parlamente zu haben. „Es ist ein sehr hohes und wertvolles Gut, dass wir bei Wahlen kumulieren und panaschieren und wählen können, wen wir wollen. Wir können wählen und gewählt werden, ohne Repressalien befürchten zu müssen“, so HLT-Präsident Fischbach. In der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte sei die Demokratie scheinbar unerreichbar weit entfernt gewesen und habe unzählige Opfer gefordert, darunter auch viele Menschen, die sich für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt hätten.

Professor Dr. Dietfrid Krause-Vilmar von der Universität Kassel sprach als Hauptredner über das Thema „Was heißt Gedenken an die NS-Zeit heute? Zur Erinnerungskultur vor Ort“ und ging auf zahlreiche Beispiele einer Erinnerungsarbeit „von unten“ ein. Es handele sich hier um originäre Bürgerinitiativen, die hervorragende Arbeit leisten würden. „Die Erinnerungsorte bieten den Angehörigen der verfolgten und der ums Leben gebrachten Menschen im Inland und im Ausland einen öffentlichen Ort und persönliche Gesprächspartner. Diese hören ihren Berichten und Erfahrungen aus der NS-Zeit zu und nehmen insoweit Anteil an ihrer Lebensgeschichte. Sie versuchen, in der Erinnerung an die ehemals Verfolgten diese als Mitglieder der universalen Lebensgemeinschaft aller Menschen anzunehmen, aus der sie jahrelang ausgesperrt und ausgegrenzt worden waren“, so Prof. Krause-Vilmar. Es gehe um die Würdigung der Verfolgten. Er berichtete auch über einige Beispiele für gelungene inhaltliche Auseinandersetzungen von Schülerinnen und Schülern mit diesem Themenkomplex. Im Foyer des Landratsamtes erinnerte eine kleine Ausstellung an die Verfolgten, Ermordeten und Zwangsarbeiter, die mit Exponaten des Dokumentations- und Informationszentrums Stadtallendorf sowie des Arbeitskreises Landsynagoge Roth auf die Opfer der nationalsozialistischen Zeit einging. Darunter befanden sich auch einige Schautafeln, die eine neunte und zehnte Schulklasse einer Schule in Stadtallendorf erarbeitet hatte.

Am 27. Januar 1945 hatten sowjet-russische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz befreit, dem Zentrum der unmenschlichen nationalsozialistischen Vernichtungsmaschine. 1996 erklärte der damalige Bundespräsident Roman  Herzog den 27. Januar zum zentralen Gedenktag. Alle Redner hoben die besondere Bedeutung dieses Tages hervor. Der Präsident des hessischen Landtags, Norbert Kartmann, sprach zum Abschluss der zentralen Gedenkveranstaltung allen Mitwirkenden seinen Dank aus.

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